Der
Fabrikbau von Egon Eiermann in Apolda (im allgemeinen Sprachgebrauch „Eiermann-Bau“ genannt) überstand den 2. Weltkrieg und die Planwirtschaft der DDR, nicht aber die Privatisierung 1992 nach Mauerfall und politischer
Wende 1989. Deshalb beschreibt seine Entstehungs- und Nutzungsgeschichte bis zur Stilllegung 1994 durch den „Investor“ gewissermaßen seine guten Tage.Die Tatsache, dass er Mitte der 90er Jahre
einschließlich des umgebenden Firmengeländes wieder in den Besitz der Treuhand bzw. deren Nachfolger, der BvS, gelangte, gehört nicht nur zu den Merkwürdigkeiten seiner Geschichte, sondern war auch der Anfang eines
unbeschreiblichen Leidensweges.
Obwohl der Eiermann-Bau bereits zu DDR-Zeiten seit 1980 unter Denkmalschutz stand – die Denkmalbehörden der DDR hatten wohl seine bauhistorische Bedeutsamkeit erkannt – und
1992 auch auf die bundesdeutsche Denkmalliste gelangte, ließ man ihn mehr und mehr verfallen und verkommen.
Da insbesondere das Dach an mehreren Stellen undicht wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann dieses
architektonische Kleinod trotz Denkmalschutzes der Abrissbirne zum Opfer fiel.
Das wäre beileibe kein Einzelbeispiel in der heutigen deutschen Kulturlandschaft gewesen, in der im Grunde alles, was zu den kulturellen
Elementen des Landes gehört, ausschließlich nach dem kurzfristigen wirtschaftlichen Nutzeffekt oder der politischen Opportunität bewertet wird. Die wachsende Anzahl der Schließungen von Theatern und Museen, die
Abwicklung von namhaften Orchestern und eben auch die Vernichtung von Baudenkmälern gehören mittlerweile zum Alltag und sind neben den beängstigenden Ergebnissen der Pisa – Studien ein offenkundiges und untrügliches
Indiz für den Niedergang des deutschen Kulturverständnisses, für die Drift in das Banausentum der Spaßgesellschaft.
Dem langsamen Sterben des Apoldaer Eiermann-Baus wollten insbesondere der Berliner Kunsthistoriker
Dr. Eggeling, ein ehemaliger Apoldaer, und der derzeitige Vereinsvorsitzende Dietram Franke nicht tatenlos zusehen.